Aus- und Weiterbildung

Aus- und Weiterbildung
Schulungsraum in der ehemaligen Interkey Geschäftsstelle in Lippstadt in dem viele Schulungen, Seminare und Workshops stattfanden

„Man lernt nie aus“ so sagt der Volksmund und daher bleibt die Aus- und Weiterbildung ein wichtiges Thema. Wie alle Dinge ist auch sie einem ständigen Wandel unterworfen. So ist es heute oft so, dass die Menschen häufiger den Arbeitsplatz oder den Beruf wechseln. Durch die Digitalisierung fallen Berufe weg oder es werden neue geschaffen. Begriffe wie „New Work“, „Homeoffice“, „Traveloffice“ und „virtuelles lernen“ sind dabei keine Fremdwörter mehr.

Erfahrungsbericht

Durch meinen eigenen Lebenslauf kann ich diese Entwicklungen bestätigen. Als gelernter Bankkaufmann habe ich nach meinem Betriebswirtschaftsstudium nie wieder in einer Bank gearbeitet, sondern als Unternehmer ein Sicherheitsfachgeschäft geführt und danach einen Fachverband europäischer Sicherheitfsfachgeschäfte geleitet, bevor ich mich als Freelancer wieder selbstständig gemacht habe.

Aufgrund der Zertifizierung nach ISO 9001 wurde ich Qualitätsmanagement-Beauftragter und besuchte viele Branchenlehrgänge. Durch meine Ausbildereignungsprüfung konnte ich viele junge Menschen zur/zum „Kauffrau/-mann für Büromanagement“ oder „Kauffrau/-mann im Einzelhandel“ ausbilden. Ferner hatte mein Sicherheitsfachgeschäft früher noch als „Schloss- und Schlüsselmacher/-in“ (ehemaliges IHK-Berufsbild) und als das dem Handwerk nicht mehr möglich war, da der Beruf in den Industriemechaniker integriert wurde, zum/zur „Metallbauer/-in, Fachrichtung Konstruktionstechnik“ ausgebildet. Anschließend wurde ich Geschäftsführer beim Fachverband für Sicherheitsfachgeschäfte sowie der zugehörigen Service GmbH. Auch dort bildete ich aus.

Mit über 50 Jahren habe ich dann während der Corona-Krise nochmal ein Fernstudium zum Social Media Manager absolviert bin aktuell als selbstständiger Freelancer im digitalen Marketing und Beratung für die Sicherheitstechnik tätig.

Heute arbeite ich flexibel vom Homeoffice oder auch vom Traveloffice irgendwo im Wohnmobil unterwegs in Europa aus. Dabei bilde ich mich ständig weiter z.B. auf der LinkedIn Learning Plattform im Bereich Wordpress, denn … „man lernt nie aus.“

Interkey Academy

Aus- und Weiterbildung ist natürlich auch ein wichtiges und klassisches Thema bei den Fachverbänden. Deswegen habe ich während meiner Zeit als Geschäftsführer beim Fachverband u.a. die „Interkey Academy“ gegründet. Über deren Buchungsplattform konnten den Mitgliedern und interessierten Sicherheitsfachgeschäften so zahlreiche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen in Form von Schulungen, Seminaren, Workshops oder Webinaren angeboten werden.

Lehrgang Geprüfter Schließ- und Sicherheitstechniker (VdS)

Aus- und Weiterbildung beim VdS Bildungszentrum in Köln (Bildquelle VdS)

Ein fehlendes Berufsbild und der Fachkräftemangel betreffen insbesondere auch die Sicherheitstechnik. Dies ist ebenfalls ein Grund für die vielen sogenannten „schwarzen Schafe“ in der Branche. Daher habe ich die „Initiative Fairer Schlüssel-Notdienst“ ins Leben gerufen. Den VdS konnte ich bei der Zertifizierung für Schlüsseldienste für die Notöffnungen von Fenstern und Türen unterstützen.

Gemeinsam mit haben wir den neuen Lehrgang „Geprüfter Schließ- und Sicherheitstechniker (VdS)“ geschaffen. Wichtig war hierbei der Praxisbezug in Zusammenarbeit mit der Industrie sowie es auch Quereinsteigern zu erleichtern, in die Branche der Sicherheitstechnik einzusteigen.

„Sicherheits- und Schlüsselfachbetriebe sehen sich immer öfter der Herausforderung ausgesetzt, qualifiziertes Personal zu finden. Das liegt zum einen am Fehlen eines Berufsbildes und zum anderen an wachsenden Anforderungen an das Personal selbst.

In Zusammenarbeit mit interkey, dem „Fachverband Europäischer Sicherheits- und Schlüsselfachgeschäfte e. V.“, und weiteren namhaften Branchen- und Behördenvertretern ist daher der Qualifikations-Lehrgang  „Geprüfter Schließ- und Sicherheitstechniker (VdS)“ entstanden.“ (Quelle: VdS-Bildungszentrum)

Übersicht über die fehlende Berufsqualifikation der Sicherheitstechnik in Europa

Nachfolgend eine Übersicht derzeitiger Berufsqualifikationen in Deutschland und Europa sowie ein Infoblatt zur Eintragung in die Handwerksrolle über Ausnahmegenehmigungen, damit Sicherheitsfachgeschäfte die Möglichkeit haben, zumindest über eine Ausnahmeregelung mit Beschränkung auf Spezialtätigkeiten für die “Montage von mechanischen und mechatronischen Sicherheitselementen” aufgenommen zu werden. Diese Formulierung hatte ich seinerzeit als Geschäftsführer des Fachverbandes Interkey mit den Juristen der sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen ausgearbeitet, denn es ist derzeit die einzige Möglichkeit, in den LKA-Adressnachweis für mechanische Sicherheitseinrichtungen aufgenommen zu werden.

Der italienische Weg

Als ehemals langjähriges Vorstandsmitglied der European-Locksmith Federation, dem Dachverband der Sicherheitsverbände, ist mir bekannt, dass alle europäischen Mitgliedsstaaten das selbe Problem des fehlenden Berufsbildes in der Sicherheitstechnik haben und damit einhergehend auch die Problematik inkompetenter und unseriöser Betriebe. Italien hat es 2015 aber geschafft, u.a. auf Basis der EU- Richtlinie 2005/36 CE (Anerkennung von Berufsqualifikationen von nicht reglementierten Berufen) Regelungen für eine neue Berufsqualifizierung zu schaffen.

Neues Berufsbild Sicherheitstechniker in Österreich

In Österreich ist es 2022 nach 10 Jahren Vorbereitung gelungen, das neue Berufsbild “Sicherheitstechniker” zu schaffen, welches Ausbildungselemente aus mechanischer, mechatronischer und elektronischer Sicherheitstechnik sowie IT beinhaltet, um die heutigen Anforderungen ganzheitlich abzudecken. Weitere Infos dazu gibt es in diesem Video und im nachfolgenden Artikel:

Ausbildung zum Locksmith in Australien

Ausbildungsszene an der Polytech Melbourne Bild: Aaron Smith The Keyhole Surgeon Instagram @keyholesurgeon
Ausbildungsszene an der Polytechnic Melbourne Bild: Aaron Smith The Keyhole Surgeon Instagram @keyholesurgeon

Ein Blick zum anderen der Welt nach Australien lohnt sich, denn dort stößt man auf ein vorbildhaftes Modell, wie Ausbildung in der Sicherheitstechnik hervorragend funktionieren kann. Seit den frühen 1980er Jahren wurde ausgehend von Melbourne ein Ausbildungssystem entwickelt, welches heute alle Komponenten moderner Sicherheitstechnik beinhaltet. Mittlerweile gibt es in Victoria, West Australien, New South Wales und Queensland vier Ausbildungsstätten, welche komplett mit Werkstätten zur Berufsausbildung in der Sicherheitstechnik ausgestattet sind. Der „Locksmith“ ist in Australien ein angesehener Beruf, welchen man weitläufig mit „Sicherheitstechniker“ übersetzen müsste. Denn die praxisorientierte Ausbildung umfasst von mechanischen, mechatronischen und digitalen Schlössern und Zutrittskontrollen, der manuellen und maschinellen Herstellung von Schlüsseln (einschließlich 3D-Druck), Sicherungselementen und Tresortechnik, über Einbruchmeldetechnik bis hin zur Videoüberwachung sogar mittels Drohnen. Die Auszubildenden lernen neben den theoretischen Zusammenhängen vor allem anhand praktischer Anwendungen, wie die Sicherheitstechnik genau funktioniert, in dem sie sie selber herstellen, montieren, auseinandernehmen, notöffnen, reparieren und instandhalten. Die Ausbildung dauert 3 – 4 Jahre. Sie ist ähnlich wie bei uns dual gestaltet und wird von den Betrieben, dem Staat sowie der Industrie unterstützt.

Das folgende Video von meinem Freund, dem ehemaligen leitenden Ausbilder der Melbourne Polytechnic Aaron Smith, gibt einen eindrucksvollen Einblick über die Fülle der Ausbildungsinhalte an dafür speziell eingerichteten Ausbildungsstätten.

Auszug aus den Referenzen:

„Ralf Margout hat mit mir und Vertretern der Polizei, Industrie sowie anderer Branchenverbände in der Arbeitsgemeinschaft Mechanik/Mechatronik und anderen Gremien sehr gut im Team zusammengearbeitet. Dort haben wir u.a. gemeinsame Ideen wie die Sterne-Zertifizierung für Produkte der Sicherheitstechnik, den Fachlehrgang geprüfter Schließ- und Sicherheitstechniker (VdS), die VdS-Zertifizierung für Notöffnungsunternehmen sowie ein branchenweit einheitliches VdS-Attest für mechanische Absicherungen erarbeitet und umgesetzt. Er hat seine guten Fachkenntnisse und langjährigen praktischen Erfahrungen in der Sicherheitstechnik hervorragend eingebracht und so die Prozesse effektiv mitgestaltet und vorangetrieben." Sebastian Brose, Stv. Bereichsleiter Produkte & Unternehmen VdS Schadenverhütung GmbH, Köln